Neil Robertson mit überzeugendtser Vorstellung

Jeddah. Saudi Arabia Masters 2025

„Das ist mein größter Sieg, das übertrifft sogar noch die Weltmeisterschaft!“ Neil Robertson war sehr stolz, als er nach einem 10:9 im Finale gegen Ronnie O’Sullivan den Pokal entgegennehmen durfte. „Inzwischen wurde bezweifelt, ob ich überhaupt noch in der Lage bin, jemanden wie Ronnie in einem Finale mit so einer Bedeutung zu schlagen. Ihn hier zu besiegen, wenn es um so viel geht, das ist definitiv mein größter Sieg.“

Es ging um ein Preisgeld von 500.000 Pfund für den Sieger. Dem unterlegenen Finalisten blieben immerhin noch 200.000 Pfund. O’Sullivan war als Favorit ins Endspiel gegangen, da er das ganze Turnier über stark gespielt hatte und im Halbfinale gegen Chris Wakelin sogar zwei Maximumbreaks geschafft hatte.

Bild: Thai Chengzhe

Doch am Anfang des Finals hatte der Australier die Nase vorn und führte nach der ersten Session mit 6:2. Am Abend konnte Ronnie O’Sullivan aufholen und schließlich stand es 8:8. Den nächsten Frame holte sich der Engländer und stand somit kurz vor dem Sieg, den Neil Robertson aber zunächst mit einem Century verhinderte. Der Decider war also der krönende Abschluss dieses packenden Spiels. O’Sullivan konnte nur eine 31 aus seiner Chance machen. Robertson nutzte die seinen besser und holte Frame, Match und Titel. Was für eine Story, wenn man bedenkt, dass er die WM-Endrunde nur wenige Monate verpasst hatte. Das Arbeiten mit Joe Perry und einer Psychologin trug definitiv Früchte.

Das Ranglistenturnier in Saudi Arabien ist gegenwärtig das einzige Event, bei dem alle Spieler vor Ort sind. Es gibt also keine vorgelagerte Qualifikation in Großbritannien. Und mit dabei im Traumland der Snookerspieler voll des Luxus und der Umsorgung war auch Umut Dikme, der wieder auffüllen durfte. Er gewann sein Auftaktmatch gegen Mink Nutcharut mit 4:1 und schied in Runde zwei mit 1:4 gegen Julien Leclercq aus. In der gleichen Runde musste auch Alexander Ursenbacher seine Sachen packen. Florian Nüßle hatte schon in Runde 1 gegen Dylan Emery im Decider verloren. Nur einer der lokalen Amateure, die Wildcards erhalten hatten, konnte in Runde eins einen Profi aus dem Turnier werfen. Hesham Shawky machte aber auch bei seiner 2:4-Niederlage in Runde zwei gegen Antoni Kowalski eine gute Figur.

Bild: Thai Chengzhe

Die Top 16 griffen zwar erst später ins Geschehen ein, aber bekanntlich ist so etwas auch keine Erfolgsgarantie. Bereits in den Last 32 mussten Mark Allen (gegen Chang Bingyu), John Higgins (gegen Elliot Slessor) und Judd Trump (gegen Oliver Lines) die Segel streichen. Elliot Slessor machte auch direkt weiter und warf in den nächsten Runden sowohl Stuart Bingham als auch Mark Williams in Decidern aus dem Turnier. Erst im Halbfinale fand er in Neil Robertson seinen Meister. Slessor hat sich wirklich enorm weiterentwickelt.

Etwas von seinem Maximum-Preisgeld muss Ronnie O’Sullivan übrigens an Thepchaiya Un-Nooh abgeben, der schon früher im Turnier ebenfalls eine 147 erzielte.

Während die Spieler in Sachen Preisgeld und Service bei diesem Turnier im siebten Himmel sind, wird es weiterhin sehr kritisch betrachtet. Einmal aus politischer Sicht die Menschenrechtslage und auf der anderen Seite aus sportlicher Sicht der nach wie vor magere Zuschauerzuspruch. Noch dazu musste die eine Abendsession aus technischen Gründen abgebrochen werden. Bis das Land zu einem Snooker-Hotspot wird, dessen Turniere man mit ungetrübter Freude verfolgen kann, ist es also noch ein weiter Weg.

Die Top 12 der Einjahresrangliste, die für dieses Turnier zugelassen waren, versprachen eigentlich spannende Auseinandersetzungen, allerdings gab bei erstaunlich wenigen der Best-of-19- Matches ein knappes Ergebnis. Der eine oder andere Spieler war auch angeschlagen. So nutzte Mark Williams das erste Mal seine neuen Kontaktlinsen in einem Turnier. Und Neil Robertson schleppte einen Virus mit sich, den er sich bei seinen Kindern eingefangen hatte. Keine Entschuldigung konnte dagegen Shaun Murphy präsentieren, der sich in der ersten Runde ein 1:10 bei Barry Hawkins abholte.

Hawkins präsentierte sich in diesem Turnier erneut absolut stark. Nach Murphy schaltete er mit einem 10:5 auch den Ranglistenersten Judd Trump aus. Erst gegen John Higgins hatte er im Halbfinale mit 7:10 das Nachsehen.
Die Topspieler waren durch die Reihe an Bonusevents nunmehr also gut für die WM aufgewärmt und mit einem netten Taschengeld versehen. Man durfte auf den Saisonhöhepunkt sehr gespannt sein.

Bild: Thai Chengzhe

Photos: Tai Chengzhe