Nanjing. International Championship 2025
Mit Wu Yize errang ein weiterer Spieler erstmals einen Ranglistentitel. In Nanjing besiegte er im Finale John Higgins mit 10:6 und konnte damit die beeindruckende Porzellanvase mit nach Hause nehmen.
Wu Yize hatte den Beginn der ersten Session dominiert, doch John Higgins gelang noch das 4:5. Am Abend hatte wieder der junge Chinese den besseren Start und diesmal blieb das Comeback des Altmeisters aus. Zwar konnte er noch einmal um zwei Frames verkürzen, doch das war es dann. Der Schotte sagte später, dass er an diesem Tag einfach nicht sein bestes Spiel auf den Tisch bringen konnte. Und er lobte Wu: „Er hat einen ganz wundervollen Stoß. Da erinnert er mich an den jungen Paul Hunter.“ Was für eine Aussage!
Bilder: Thai Chengzhe
Der 22-jährige Wu sagte später: „Es war eine lange Wartezeit, seit ich im letzten Jahr die Finals der Scottish Open und English Open erreicht hatte. Manchmal war ich auch schon etwas verzweifelt, aber ganz tief drin wusste ich, dass ich die Fähigkeit habe, einen Titel zu gewinnen. Ich habe jeden Tag daran gedacht. Ich hatte einen starken Willen, eines Tages einen Pokal in die Höhe zu recken. Das hat mich auch durch diese Woche getragen.“ Er dankte seinen Eltern, die ihn immer unterstützt und begleitet hatten. Hier in Nanjing feierten sie mit ihm seinen bisher größten Triumph in der Arena.
Den Startschuss zum Erfolg hatte eine besondere Leistung von Wu gegeben. In seinem Match gegen Judd Trump lag er schon mit 0:4 hinten, bevor er sechs Frames in Folge und damit das Spiel gewann. Das nächste Match, gegen Barry Hawkins, ging gar 6:0 für ihn aus. Zwölf Frames in Folge gewinnen … Respekt. Im Halbfinale ging es gegen Weltmeister Zhao Xintong, den er mit 9:6 besiegte. John Higgins hatte es im anderen Halbfinale mit Stephen Maguire zu tun. Maguire kam überhaupt nicht ins Spiel und musste ein 2:9 hinnehmen. Vorher hatte John Higgins den bekanntlich in Form befindlichen Shaun Murphy mit 6:2 recht deutlich aus dem Turnier genommen. Der Engländer hatte vorher nur recht knapp den Angriff des erst 14-jährigen Wang Xinzhong abwehren können. Geradeso mit 6:5 setzte er sich durch. Vorher hatte der ganz junge Chinese, der mit einer Amateur-Wildcard ins Turnier gekommen war, bereits Bai Yulu mit 6:4 und Robbie Williams mit 6:1 besiegt.
Die Hauptrunde wurde am Beginn durch einige Absagen gebeutelt. Sam Craigie, Ken Doherty, Mark Williams, Dave Gilbert und Ali Carter traten die Reise nach China nicht an. Positiv zu vermerken ist, dass es erneut zwei Maximum Breaks gab: eins in der Quali durch Gary Wilson und eins in Nanjing durch Zak Surety. Die Ehrung dafür mit Scheck und Blumenkranz nahm diesmal stellvertretend Jason Ferguson entgegen. Es gab auch eine 145, die direkt historisch war: sie wurde nämlich durch Bai Yulu erzielt und ist nun das aktuell höchste Break einer Dame bei den Profis.
Ein anderer Spieler, der bereits die Qualifikation absagen musste, war Marco Fu. Er hatte sich den Ellenbogen gebrochen. Dafür rückte Umut Dikme ins Turnier nach. Doch gegen Neil Robertson konnte er erwartungsgemäß wenig ausrichten. Immerhin sah er dessen eintausendstes Century aus nächster Nähe. Auch Florian Nüßle und Alexander Ursenbacher zogen den Kürzeren.