Es war ein wahrlich sehr beeindruckender Sturmlauf
zum Turniergewinn, den Judd Trump da hinlegte: nachdem er bereits im Halbfinale Ronnie O’Sullivan beim 10:3 keine Chance ließ, konnte auch Finalgegner Shaun Murphy nur phasenweise glänzen und musste nach dem 11:5 anerkennen, dass da an diesem Tag nichts zu holen war. „Man hat immer einen schlechten Tag in einem Turnier und meiner war heute. Aber die anderen Tage waren wirklich gut.“ Somit war auch er nicht ganz unzufrieden und beglückte noch das Finalpublikum, indem er signierte Spielkarten in die Menge warf. Der „Magician“ eben. Judd Trump freute sich ganz besonders über den Sieg in Shanghai. „Shanghai ist meine Lieblingsstadt in China. Sie sind alle besonders, aber das hier ist eine der ersten Turniere, für das ich mich qualifizierte, nachdem ich Profi geworden war. Ich stand schon dreimal im Finale, habe aber nie gewonnen.“ Ein guter Start für seinen Plan, in dieser Saison fünf oder sogar mehr Turniere zu gewinnen.


Die Zeiten, wo man sich für das Shanghai Masters qualifizieren musste, sind zumindest für die Main-Tour-Profis vorbei. Es ist ein Einladungsturnier für die Top 16 der Weltrangliste zuzüglich der besten vier chinesischen Spieler außerhalb der Top 16 plus vier chinesischer Qualifikanten. Letztere standen erst kurz vor Turnierbeginn fest. Und wie fast immer konnten einige dieser Topamateure aus China überzeugen und Profis aus dem Turnier kegeln. In dem Fall erwischte es Zhang Anda gegen Zhou Jinhao und Jak Jones gegen Cao Jin. In Runde 2 war aber dann Endstation für die Qualifikanten. Im Viertelfinale kam es zu vier Paarungen England-China. Hervorzuheben war sicher das Aufeinandertreffen von Ronnie O’Sullivan und Ding Junhui. O’Sullivan war ganz klar der Titelfavorit bei diesem Turnier. Er ist der Seriensieger hier und hatte schon erstaunliche 20 Matches in Folge gewonnen. Das 6:3 gegen Ding war Nr. 21 und erst einmal der Schlusspunkt dieser Serie.
Nicht nur Ding verlor sein Viertelfinale, auch Si Jiahui, Pang Junxu und Zhou Yuelong zogen den Kürzeren. Somit wurde der Rest des Turniers eine rein englische Angelegenheit. Mark Selby war übrigens der vierte Engländer. Er hatte sich nach seinen Zweifeln bei der WM mit seiner Frau beraten und doch entschlossen, weiterzumachen. Und er hatte sichtbar Freude am Spiel. Im Halbfinale wurde es dann aber hart: er hatte schon mit 6:2 und 8:5 gegen Murphy geführt, bevor er mit 8:10 verlor. Doch was er bis dahin gezeigt hatte, war vielversprechend.
Shanghai war wie immer gut besucht und Judd Trump freute sich auch, dass der Altersschnitt nicht so hoch war. Er will mit seinen Leistungen gern auch Nachwuchstalente inspirieren.