UK Championship 2024

Judd Trump war als Favorit in das Finale gegangen, doch er brauchte all seine Spielstärke und Geduld, um sich den Titel wirklich zu sichern. 10:8, so lautete das knappe Ergebnis, mit dem er schließlich das zweite Mal diese Trophäe in die Höhe stemmen durfte. Sein Gegner Barry Hawkins hatte ein schweres und spät nachts endendes Halbfinale gegen Mark Allen in den Knochen, doch das merkte man ihm kaum an. Von Anfang an blieb er an Trump dran und brachte ihn zum Ende hin immer wieder in Schwierigkeiten. In die Abendsession hatte die Nr.1 der Welt ein 5:3 mitgenommen und diese Führung erwies sich als wertvoll.

Bild: Billard1|Touch

Im 18.Frame gelang es Trump in ein Break zu kommen. Er sagte später, dass er sich selbst zur Konzentration und Sorgfalt zwang, da er sich der Gefahr durch Hawkins sehr bewusst war. Er wollte und musste diese Chance nutzen. Nachdem er zwei Snooker vorn war, glaubte er sich in Sicherheit, doch plötzlich holte Hawkins schon mal vier Foulpunkte. Riesig war dann die Erleichterung, als es ihm doch noch gelang, den Sieg zu sichern. Mit dem Preisgeld dieses Turniers knackt Judd Trump die 1-Million-Marke in dieser Saison. Für Barry Hawkins bleibt als Trostpreis neben dem Preisgeld für den Zweitplatzierten die Rückkehr in die Top 16 und damit die Masters-Teilnahme. Sein Erstrundengegner dort: Judd Trump.

Es war ein sehr hochklassiges Turnier, in dem viele Topspieler ihre beste Form zeigten. Judd Trump schlug auf seinem Weg ins Finale Neil Robertson, John Higgins (6:5), Zhang Anda und schließlich im Halbfinale Weltmeister Kyren Wilson. Gegen Zhang Anda schaffte er übrigens 527 Punkte am Stück, bevor Zhang der erste Punkt gelang. In Runde 1 war es wesentlich besser für den Chinesen gelaufen: da feierte er ein Maximum Break.

Auch Barry Hawkins konnte einige große Gegner rauswerfen. Er musste ja in die Qualifikation, die Top 16 waren für die Endrunde hier gesetzt. Und so bekam er es mit Ronnie O’Sullivan zu tun, der hier einen seiner wenigen Auftritte der Saison hatte. Und der dauerte nicht lang: nach einem 4:6 durfte der Titelverteidiger gleich wieder seinen Koffer packen. Danach schaltete Hawkins Dave Gilbert und Shaun Murphy aus, bevor er sich dieses epische Match mit Mark Allen lieferte. Erst um 1 Uhr nachts Ortszeit war das Ringen zu Ende. Mark Allen hatte sich den Spitznamen „The Pistol“ ja nicht umsonst verdient, doch im Laufe der Zeit hat er sich zu einem beinharten Kämpfer entwickelt, der Mark Selby locker Konkurrenz macht. Er ist inzwischen mit einer großen Geduld gesegnet und kann die Siege auch auf die harte Tour erringen. Lieber spielt er zwar die flüssigen Breaks, aber er ist auch zum Kampf bereit, wenn es nicht anders geht. Doch diesmal hatte er in Barry Hawkins seinen Meister gefunden.

Bei diesem Turnier werden auch seit einiger Zeit Wildcards an Amateure vergeben. Diesmal war auch Florian Nüßle am Start. Und er gewann sogar sein Erstrundenmatch gegen den Brasilianer Jonas Luz und dann noch sein Zweitrundenmatch gegen Jordan Brown, der ja immerhin schon einmal ein Turnier gewonnen hat. In Runde drei zog er gegen Fan Zhengyi dann den Kürzeren, aber das war eine großartige Vorstellung des Österreichers.
Ebenfalls Schlagzeilen machte Bai Yulu. Sie gewann zunächst gegen Farakh Ajaib und warf dann den erfahrenen Jamie Jones aus dem Turnier. In Runde drei bekam sie es mit Scott Donaldson zu tun und schaffte mit einem 6:5-Sieg eine Sensation. Noch nie hatte eine Frau drei Siege am Stück in einem Profiturnier geschafft. Am sogenannten „Judgement Day“ scheiterte sie dann an Jack Lisowski und verpasste damit knapp die Teilnahme an der Hauptrunde.

Aber was für eine Siegesserie der jungen Dame! Das war wirklich vielversprechend.